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Bisher
war nur vom Druckwiderstand (Kugelmodell) und
der Reibung, und zwar im Zusammenhang mit dem Anstellwinkel eines Profils die
Rede.
Den größten negativen Einfluß auf den Vortrieb eines Segels
hat jedoch der sogenannte „induzierte“ Widerstand, dessen Größe
sich hauptsächlich durch die Form und den Schnitt der Segel beeinflussen
läßt. Verursacht wird er durch die von der Luv- auf die Leeseite des
Segels fließenden Luftströmungen, die für Druckausgleich sorgen.
Auf diese Weise geht dem Vortrieb Energie verloren, die sich in Form einer nachgeschleppten
Kette aus Wirbeln bemerkbar macht. Als „Abwind“ können sich
diese Turbulenzen noch über mehrere hundert Meter bemerkbar machen und nachfolgende
Yachten behindern.
Naturgemäß hat der „induzierte Widerstand“ hauptsächlich
im schmalen Toppbereich und am Unterliek starke Auswirkungen auf den Vortrieb.
Deshalb sind konventionell geschnit-tene Segel mit langem Unterliek und spitz
zulaufendem, wenig profiliertem Topp-bereich am ungünstigsten.
Ein solches
Segel zieht eigentlich nur in der Mitte: Oben kann durch den geringen Abstand
von Vor- und Achterliek kein Unterdruck aufgebaut werden und unten wird das breite
Profil durch den Druckausgleich um den langen Baum wirkungslos gemacht.
Durch die Entwicklung extrem
dehnungsarmer Tuche ist es heute jedoch möglich, Segel zu fertigen, die
den „induzierten Widerstand“ stark vermindern.
Das sind Segel mit
großer Streckung, also kurzem Unterliek und langem Vorliek. Sie haben im
Toppbereich ein weit ausgestelltes Achterliek und sind dort bereits stark profiliert.
Unterstützt wird das Profil durch leichte, durchgehende Segellatten, deren
Biegeverhalten der jeweiligen Profiltiefe angepaßt ist.
Solche, bis an
die Grenzen optimierten Segel, werden heute auf allen Cuppern und Rennyachten
gefahren. Für Fahrtensegler kommen sie schon wegen ihrer kurzen Lebensdauer
und den enorm hohen Kosten nicht in Frage, zumal das weit ausgestellte Achterliek
im Topp losnehm bare Achterstagen erfordert.
Lattensegel für Fahrtenyachten können durch die Begrenzung des Achterstags
jedoch nur sehr wenig Rundung im Achterliek haben. Das oft gehörte Argument,
sie seien durch den Gewinn an Fläche schneller und würden den „induzierten
Widerstand“ herabsetzen, ist also nicht richtig.
Da sich der Druckaustausch um den Großbaum herum nicht vermeiden läßt,
ist es besser, das Profil im Bereich des Unterlieks flach zu schneiden. Dadurch
vermindert man den Druckunterschied zwischen Luv- und Leeseite. Der Druckausgleich
findet weniger energiereich statt, und die Wirbel des „induzierten Widerstandes“ haben
geringere Bremswirkung.
Für Fahrtensegler sind deshalb Segel mit Shelf (einer
dünnen Tuchbahn am Unterliek) wenig zu empfehlen: Denn der Fahrtgewinn durch
die Vergrößerung der Profiltiefe in schwachen Winden ist auf einer „normalen“ Fahrtenyacht
kaum meßbar.
Strömungstechnisch ideal wäre es natürlich, wenn der Großbaum über
Deck rutschen würde. Es wirkt dann wie ein unüberwindbarer Zaun (oder
als Endplatte) und verhindert weitgehend den Druckausgleich. Aus naheliegenden
Gründen ist ein solches Großsegel kaum praktikabel. Aber als „Decksfeger“ geschnittene
Genuas sind auf Rennyachten aus den genannten Gründen allgemein üblich.
Fahrtensegler sollten dagegen Kompromisse machen. Denn hier geht Sicherheit und
leichte Handhabung vor Segelleistung. Vor allem dann, wenn man mit kleiner Crew
segelt. |
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